Experiment-Vorbereitung: Deine Arbeitshypothese formulieren
Du hast dich entschieden, deine gewohnten Denk- und Verhaltensmuster zu verlassen und dich von kognitiven Skripten – wie etwa dem sogenannten Sequel Script – zu lösen. Gleichzeitig hast du begonnen, dich in deinen Alltag bewusster zu beobachten, insbesondere im beruflichen Kontext. Dabei hast du notiert, was dich momentan herausfordert, bewegt, fasziniert oder besonders neugierig macht. Nun liegt all das vor dir – deine persönlichen Beobachtungen und Erkenntnisse. Doch wie geht es jetzt weiter?
In der Wissenschaft bildet eine präzise formulierte Arbeitshypothese den Ausgangspunkt jeder Untersuchung, jedes Forschungsprojekts. Sie beschreibt eine überprüfbare Annahme über einen Zusammenhang und zeigt die Richtung für das folgende Experiment sowie die Datenerhebung auf. So verbindet sie Theorie und Praxis/Empirie – Denken und Handeln.
Ganz ähnlich gehst du nun vor: Du nimmst die Ergebnisse deiner Alltagsbeobachtungen und nutzt sie, um eine eigene Arbeitshypothese für dich zu formulieren. Damit beginnst du gewissermaßen dein persönliches Forschungsprojekt – eines, das dich deiner individuellen Entwicklung und dem Entfalten deiner Potenziale näher bringt.

Los geht’s
Schau dir deine schriftlich festgehaltenen Ergebnisse deiner Alltagsbeobachtungen genau an. Wähle den Punkt aus, der dich besonders angesprochen, irritiert oder inspiriert hat. Frage dich:
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Was hat mich am meisten herausgefordert oder fasziniert?
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Wo spüre ich ein echtes Interesse und Neugier, mehr zu erfahren, zu lernen und mich weiterzuentwickeln?
Beispiele
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Du hast neue Kollegen aus Südamerika kennengelernt und gemerkt, wie stark dich die spanische Sprache interessiert. Du möchtest sie lernen, um auch die Zusammenarbeit mit deinen Kollegen weiter zu verbessern.
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Dir fällt auf, dass es dir schwerfällt, dich längere Zeit auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Du willst herausfinden, wie du deine Aufmerksamkeit gezielter trainieren kannst.
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Das Erstellen kreativer Grafiken für Präsentationen bereitet dir Freude und du hast auch schon einiges positives Feedback dafür bekommen. Jetzt reizt es dich – vielleicht auch mithilfe von KI – darin noch besser werden.
Und nun deine Beobachtung: …………………………………..
- Forschungsfrage formulieren
Aus deiner Beobachtung leitest du nun eine Forschungsfrage für dich selbst ab. Sie ist sozusagen der Leitstern für dein persönliches Experiment.
Hier zunächst passende Forschungsfragen zu den oben stehenden Beispielen:
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Wie kann ich innerhalb kurzer Zeit genug Spanisch lernen, um mich mit meinen Kollegen gut verständigen zu können?
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Wie kann ich meine Konzentrationsfähigkeit nachhaltig verbessern?
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Wie kann ich meine grafischen Fähigkeiten erweitern, insbesondere auch durch den Einsatz von KI?
Jetzt deine Forschungsfrage an dich: ………………………………..? - Deine Arbeitshypothese entwickeln
Jetzt überführst du deine Forschungsfrage in eine erste Arbeitshypothese. Diese formuliert eine konkrete Annahme darüber, wie du eine mögliche Lösung oder Entwicklung erreichen kannst.
Beispiele
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Lernen mithilfe einer Sprachlern-App könnte mir helfen, in absehbarer Zeit grundlegende Spanischkenntnisse zu erwerben.
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Ein Meditationskurs und regelmäßiges Meditieren können meine Konzentrationsfähigkeit verbessern.
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Die Gestaltung von Grafiken für das kleine Unternehmen meiner Freundin kann mir helfen, meine grafischen, kreativen und technischen Fähigkeiten auszubauen.
Bei der Formulierung deiner Hypothese darfst du offen und intuitiv vorgehen. Verlass dich nicht nur auf gängige Lösungen oder vermeintlich »richtige« Wege, sondern überlege diverse Möglichkeiten und Ideen, die dich wirklich ansprechen. Gleichzeitig gilt: Theoretisiere und zerdenke es aber nicht zu sehr. Deine Hypothese soll schließlich Neugier wecken und dir Lust machen, sie zu erforschen. Sie muss nicht perfekt sein – aber dir nah und lebendig erscheinen. Du solltest den Eindruck haben, sie könnte eine gute Antworten auf deine zugrunde liegende Frage liefern.
Hier deine eine Hypothese, möglichst präzise formuliert: ………………………………..
Wichtig:
Es geht hier nicht darum, übliche lineare und messbare Ziele zu definieren, die du dann in vorausgeplanten Schritten unbedingt erreichen musst. Dein Experiment ist der Eintritt in einen persönlichen Forschungs-, Lern- und Wachstumsprozess, der dich zu deinen Potenzialen und Ambitionen, auf deinen eigenen Weg führen wird. Du folgst deiner Neugier, statt einem festen Plan – genau das ist der Kern echter Forschung. - Nächster Schritt: Dein Experiment entwerfen
Sobald du deine Arbeitshypothese schriftlich klar formuliert hast, kannst du dazu übergehen, dein eigenes Experiment zu entwerfen, es aufzustellen und deine eigene Forschungsarbeit damit weiterzubringen.