Wie du der psychologischen Falle des Gefallenwollens entgehst
Stell dir vor, im Rahmen eines Experiments schreibst du ein Blog. Immer, wenn du einen neuen Artikel erarbeitest, hilft dir der Gedanke an deine Leser:innen, deine Inhalte zu formulieren, damit sie interessant zu lesen und hilfreich sind. Dir ist bewusst, dass es bestimmte Blogthemen gibt, die besonders beliebt sind – du siehst es am Feedback, an den Zugriffszahlen. Gleichzeitig weißt du: es gibt andere Themen, die du bringen willst, weil du sie wichtiger findest. Das bringt dich in einen Zwiespalt. Folgst du den Erwartungen anderer oder deiner eigenen Perspektive und Auffassung?

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Die Falle
Der Hang, anderen gefallen zu wollen – das sogenannte People Pleasing – ist tief in unserer Biologie verwurzelt. Schon evolutionär spielte sozialer Status eine zentrale Rolle für unser Überleben: Wer als dazugehörig anerkannt war, wurde geschützt. Spüren wir, dass wir beobachtet werden, schalten unsere neuronalen Netzwerke daher bevorzugt in einen »Perfomancemodus«, der das Ziel sozialer Anerkennung über dasjenige stellt, nach den eigenen Perspektiven und Auffassungen zu agieren. Dies wirkt sich auf unsere Entscheidungen und Vorgehensweisen aus: Wir gehen mehr danach, was uns gut aussehen lässt, statt uns zu fragen, was wir selbst wichtig und richtig finden, was uns mehr entspricht. So verlierst du schnell den Kompass deiner eigenen Neugier, Werte und Ambitionen. Je bewusster du das erkennst, desto besser kannst du allerdings gegensteuern – und deinem authentischen Forschergeist wieder mehr Raum geben:
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Beim Experimentieren
Schon in der Entwurfsphase deiner Experimente liegt der Schlüssel: Fokussiere dich auf deine eigentliche Arbeitshypothese – das, was dich selbst wirklich interessiert und bewegt. So wirst du während des ganzen Ablaufs deines Experiments deutlich mehr und offener deiner eigenen Motivation folgen als von anderen definierten Zielen und Anerkennung hinterherzulaufen. Das gibt dir mehr eigenen Gestaltungsraum, fördert deine Kreativität und persönlichen Entwicklungsprozesse. Psychologische Studien zur Self-Determination Theory belegen, dass selbstbestimmtes Vorgehen nicht nur kreativer und nachhaltig kompetenter macht, sondern auch mehr erfüllt und damit verbunden dein Wohlbefinden fördert.
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Beim Mit-teilen und Mitnehmen
Wenn du aus deinen Experimenten heraus Erkenntnisse andere Menschen in deinem Umfeld mitteilst, wähle Inhalte, die dich selbst begeistern und weitergebracht haben. So sprichst du mit unverfälschter eigener Energie und Glaubwürdigkeit – und genau dieses Echte, diese Originalität zieht Menschen an und begeistert insbesondere diejenigen, die selbst Neugier und Drive für gleiche oder ähnliche Themenfelder verspüren. So lernst du »deine Leute« kennen, weil du dich besser zu erkennen gibst.
Es ist zudem ein Trugschluss, dass erzielte Reichweite allein automatisch auch viel Einfluss bedeutet. Tiefere, persönliche und wirkungsvolle Verbindungen entstehen nur dort, wo auch echte Resonanz zwischen Menschen stattfindet. Wenn du etwas vermittelst, das dich selbst verändert hat, regst du andere damit an, das Weitergegebene für sich auf ihre Weise zu nutzen, um sich individuell verändern und weiterentwickeln zu können. Statt dein Publikum nur dort »abzuholen, wo es steht«, eröffnest du ihm so Wege, weiter zu sehen und weiterzugehen.
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Beim Entscheiden
Nach jedem Experiment stellt sich dieselbe Frage: Gehst du weiter, wie bisher – oder schlägst du eine neue Richtung ein? Wenn du dabei die Stimmen anderer über deine eigene Neugier stellst, bleibst du in der Komfortzone kollektiver Erwartungen. People Pleasing bewirkt Stagnation; Forschergeist hält in Bewegung.
Der Mut, dem eigenen Erkenntnisinteresse zu folgen, stärkt zudem deine Autonomie. Neurowissenschaftlich betrachtet verlagert sich der Fokus von »Belohnung durch Anerkennung« hin zu »Belohnung durch Sinn« – nicht zufällig, sondern im Sinne eines Reifungsprozesses.
Diese Tipps helfen dir zusätzlich, der People Pleasing-Falle zu entgehen:
Wenn du überlegst, welche Personen du für deinen Kreis auswählst, in dem du Erfahrungen und Erkenntnisse weitergibst: Starte bewusst übersichtlich. Ihr solltet euch gut kennen und vertrauen. So fällt es dir leichter, bei deinen Inhalten zu bleiben und dich sicher zu fühlen statt dir viel Stress aufzubauen, weil du vor einem großen Publikum versagen könntest.
Reflektiere deine Motivation:
Frage dich bei wichtigen Entscheidungen: »Tue ich das, weil ich es wirklich will – oder weil ich hoffe, anderen damit zu gefallen?« Das stärkt deine Selbststeuerung und innere Balance.
Starte zwei Experimente parallel:
Eines mit offener Garagentür, also mit Feedback und Publikum – und eines ganz privat, nur für dich. Der Vergleich zeigt dir dann unmittelbar, wie stark der Publikumseffekt bei dir wirkt und fördert damit auch, ihm künftig bewusster entgegentreten zu können.
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