Wie du dir heute die besseren Optionen schaffst
Der Irrtum der Optionalität
Der Wunsch nach möglichst vielen guten Optionen – also nach größtmöglicher Optionalität – ist tief in uns verankert. Besonders in unserem beruflichen Leben wollen wir für uns viele Türen eröffnen und offenhalten: durch Abschlüsse, Zusatzqualifikationen und Zertifikate, die vermeintlich gesicherte Zukunftschancen versprechen. Nach gängiger Auffassung schafft man sich so ein stabiles Fundament für Erfolg und Sicherheit. Doch dieser konventionelle Ansatz beruht auf einem Irrtum: Er erzeugt zwar sicher scheinende Optionen. Was nach sinn- und planvoller Vorsorge aussieht, kann sich in einer komplexen, sich ständig wandelnden Welt aber als fragil erweisen.
Dagegen erscheinen uns die klar robusteren, besseren Optionen – die einen anderen, experimentelleren Weg erfordern – auf kurze Sicht riskanter. Doch sie helfen uns in ungewissen, schnell veränderlichen Zeiten deutlich mehr.
Optionalität neu denken
Der traditionelle Weg zur »Sicherung« von Optionen folgt einem linearen Denken: Wenn man X tut, erhält man Y – eine klare Ursache-Wirkung-Kette. Doch dieses Modell setzt ein weitgehend vorhersehbares Umfeld voraus. In der Realität jedoch verlaufen Lebens- und Karriereverläufe selten linear. Sie sind geprägt von Zufällen, Brüchen und unerwarteten Ereignissen – positiven wie negativen. Solche unvorhersehbaren Einflüsse wirken oft exponentiell: Kleine Zufälle können enorm vorteilhafte Auswirkungen haben, während große Anstrengungen manchmal folgenlos bleiben oder sogar nachteilig zu Buche schlagen.
Wie kann du also in einer komplexen, nichtlinearen Welt Strategien deinen beruflichen Weg so gestalten, dass du nicht gegen, sondern mit dieser Ungewissheit arbeitest? Nassim Nicholas Taleb liefert dafür in seinem Werk Antifragilität – Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen ein einflussreiches Konzept: den nonlinear-konvexen Ansatz.

Der nonlinear-konvexe Ansatz
Anstatt einem starren Plan zu folgen, empfiehlt Taleb, sich über viele kleine Experimente Wissen und Fortschritt zu erarbeiten – nach dem Prinzip von »Versuch und Irrtum«. Man reagiert adaptiv, lernt aus Fehlschlägen und optimiert fortwährend. Entscheidend ist dabei die Struktur dieser Experimente: Ihre möglichen Verluste müssen begrenzt, ihre potenziellen Gewinne jedoch unbegrenzt sein.
Mathematisch betrachtet folgt dieses Denken einer konvexen Funktion: Mit Blick auf die Abbildung stelle dir vor, du stehst an dem mit einem Pfeil markierten Punkt. Tritt nun eine Veränderung (Variable
x) ein, führt ein positiver Ausschlag nach rechts zu überproportionalem Gewinn, während ein negativer Ausschlag nach links nur geringen Schaden verursacht. Dein Ziel ist also, eine Situation zu gestalten, in der du mehr gewinnen kannst, als du verlieren kannst – unabhängig davon, welche Veränderung eintritt.

Taleb betont dabei: »In komplexen, unüberschaubaren Umgebungen, in denen wir kaum Einblick in Ursache-Wirkung-Ketten haben, sind Versuch/Irrtum-Vorgehensweisen, Improvisieren oder ähnliche Varianten des Ausprobierens/Lernens erwiesenermaßen weitaus leistungsfähiger als strategisch zielgerichtetes Handeln – es ist die Vorgehensweise der Natur. Das Tüfteln muss allerdings konvex sein, das ist unerlässlich. Entscheidend ist, dass wir die Option haben, nicht die Verpflichtung, ein Ergebnis beizubehalten, was uns ermöglicht, die Vorteile zu behalten und von negativen Ergebnissen kaum berührt zu werden.«
Experimentieren statt Absichern
Viele Menschen setzen weiterhin auf das Anhäufen gerade gefragter Kompetenzen, um ihre »Zukunftsaussichten« zu verbessern. Doch gerade in einer Welt, in der Wissen, Technologien und Märkte sich rasant verändern, ist diese Strategie nicht effizient. Niemand kann vorhersagen, welche Fähigkeiten in fünf Jahren wertvoll sein werden. Mit anderen Worten: Im nonlinearen Leben ist Konvexität klar leichter zu erreichen als Wissen über alle Zusammenhänge. Ist die Zukunft ungewiss, profitierst du daher umso mehr vom Experimentieren.
Dabei bedeutet Experimentieren nicht, wahllos Neues anzutesten und rasch wieder aufzugeben. Vielmehr geht es um iteratives Lernen: Jede Versuchsanordnung liefert dir Daten, Einsichten und Feedback, die das nächste Experiment präziser machen. Auf diese Weise entwickeln sich beispielsweise auch erfolgreiche Technologieunternehmen – durch zahlreiche Lernschleifen und ständige Kurskorrekturen. Der ganze Prozess braucht Zeit, doch er lohnt sich.
Um deine Optionalität zu erhöhen, kannst du den konvex-linearen Ansatz für dich nutzen:
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Statt dich ausschließlich über konventionelle Bildungswege zu qualifizieren, schaffe dir gezielt Räume für dein Forschen und Experimentieren. Das kann heißen, in einer neuen, bisher wenig beachteten Branche zu starten, eine Nischenkompetenz zu entwickeln, deren Wert erst sichtbar wird, oder dich in einem Nebenprojekt eines Problems anzunehmen, mit dem sich bisher nur wenige tiefer oder mit neuer Perspektive beschäftigen. Verlasse dich am besten auf eine Reihe von Experimenten. Vermeide es, einem vordefinierten Narrativ oder Lernpfad anzuhängen.
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Folge deiner Neugierde (LINK zu Anders Wahrnehmen), deinem Gespür, um zu erkennen, welchem Thema, welcher Sache du deine Zeit und Kraft widmen willst. Denke daran, dass dir nur kurzfristige Motivation nicht ausreichen wird, um wirklich vom nonlinear-konvexen Ansatz zu profitieren.
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Entwerfe dein erstes Experiment mit Sorgfalt (LINK zu Entwerfen) und, wichtig: Nimm es ernst, bleib dran und durchlaufe die dir vorgenommenen Experimentdurchläufe vollständig, bevor du entscheidest, ob du diesem Weg weiter folgen willst oder lieber einen anderen erkundest. Reflektiere dazu eingehend dein Denken und Handeln, um aus jedem Durchlauf und Experiment präzise Lehren zu ziehen.
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In unserer Rakkanteki Community kannst du dich mit anderen verbinden, die sich ebenfalls mit dem nonlinear-konvexen Ansatz bessere berufliche Optionen schaffen und einen echten Unterschied machen wollen.