Wähle deinen Wettbewerb
Die Schattenseiten des Wettbewerbs
Wettbewerb und Konkurrenz sind anstrengend, doch keine andere Vorstellung hat die Art und Weise des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft so geprägt und ist so in unseren Hirnen verankert wie diejenige, dass Wettbewerb entscheidend für unsere Weiterentwicklung ist. So haben wir Darwins Erkenntnisse über die Entstehung der Arten und die Evolution des Menschen interpretiert. Und so schaffen und halten wir auch heute Strukturen aufrecht, die dafür sorgen sollen, dass diejenigen »gewinnen«, die anderen in etwas überlegen sind.* In unseren Bildungseinrichtungen, in Betrieben und Organisationen, im Sport und in vielen anderen Bereichen erzeugen wir Leistungsdruck und Konkurrenz, um diejenigen herauszufiltern, die unter diesen Bedingungen messbar die besten Leistungen erzielen. Wir preisen Olympiasieger, Nobelpreisgewinner, Wahlsieger und Karrieremenschen, die sich in harter Konkurrenz bis an die Spitze kämpfen. Deutlich weniger sprechen wir über Menschen, die Bedeutendes tun und einen Unterschied machen, ohne sich dabei stets im direkten Vergleich mit anderen zu messen.
Neurobiologische Erkenntnisse zeigen heute, dass dauerhafter Wettbewerbsdruck das menschliche Verhalten nicht etwa zu größerer Kreativität oder Potenzialentfaltung führt. Wer sich ständig im Vergleich mit anderen befindet, reagiert meist mit erhöhter Anpassung, Selbstoptimierung und einem engen Fokus auf bereits definierte Erfolgspfade.** So erzeugt Wettbewerb letztlich Angepasstheit und höchstens ein Variieren oder Spezialisieren im Rahmen gegebener Bahnen. Solange du mit anderen konkurrierst, befolgst von außen gesetzte Spielregeln und lässt andere die Parameter definieren. Letztlich arbeitest du, um zu erreichen, was »man« erreichen sollte, statt deinen eigenen Weg zu entwickeln, deine persönlichen Potenziale zu entdecken. Die Konkurrenz wird aktuell zudem nicht freundlicher, sondern immer härter. Nicht wenigen ist inzwischen fast jedes Mittel recht – Hauptsache gewinnen.
Ist Wettbewerb daher für dich insgesamt schlecht und abzulehnen? Ganz so ist es nicht…
…denn du kannst dich anders orientieren und statt gegen andere in einen Wettbewerb mit dir selbst treten – mit deinem bisherigen Selbst. Dieser Ansatz verschiebt den Fokus von äußerer Bewertung zu innerer Entwicklung. Ziel ist es, deine individuellen Potenziale zu entdecken, zu entfalten und zu leben – nach deinen eigenen Maßstäben, in deinem eigenen Tempo.
Ein solcher »innerer Wettbewerb« beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Wie sähe heute deine ideale Version dir selbst aus? Was würdest du tun, entwickeln, lernen, um deinem Leben mehr Tiefe und Bedeutung zu verleihen? Indem du dein jetziges Selbst an diesem Ideal misst, forderst du dich auf einer konstruktiven, wachstumsorientierten Ebene heraus.

Dein Wettbewerb mit dir selbst – so einfach wird es nicht.
Dieser Weg ist durchaus anspruchsvoll. Du wirst dich mit typischen Herausforderungen wie Aufschieberitis, Entscheidungsangst oder dem Drang nach Perfektion auseinandersetzen müssen. Es erfordert Mut, vertraute Vorstellungen vom eigenen Erfolg zu hinterfragen und dich auf Neues einzulassen. Dabei lernst du, Rückschläge als Lerngelegenheiten zu begreifen und Unsicherheiten zu tolerieren. Auf diese Weise verlässt du deine Komfortzone, entdeckst persönliche Potenziale und entwickelst eine tiefere, persönlichere Form der Motivation – jenseits äußerer Belohnungen wie Geld oder Anerkennung durch andere, die stets nur begrenzt wirken.
Wie also kannst du vorgehen?
Diese Vorgehensweisen helfen dir, deinen Wettbewerb positiv zu gestalten:
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Stelle dir interessante, durchaus ambitionierte Herausforderungen, die dich wirklich bewegen. Doch nicht in Form üblicher linearer, bestimmter, messbarer Ziele. Wähle ein experimentelleres, forschendes Vorgehen (LINK Artikel zu Experiment entwerfen): Nimm dir vor, für einen bestimmten Zeitraum etwas, was du wirklich lernen, machen und einbringen möchtest, kontinuierlich zu tun. Es sollte natürlich machbar für dich sein. Wenn du an etwas für dich Bedeutendem arbeitest, mit System (LINK) in kontinuierlichen Handlungs-, Feedback- und Lernschleifen vorgehst und deine Ergebnisse und Fortschritte stets reflektierst, wirst du damit deinen eigenen Wettbewerb dauerhaft mit Gespür für dich und dein Umfeld gestalten.
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Sehr wichtig: Definiere für deinen Wettbewerb deine eigenen Prinzipien und deine zugrunde liegenden Werte. Es ist äußerst wichtig, dass du dich bei all deinem Vorgehen, all deinen Entscheidungen immer wieder an ihnen ausrichten kannst. So vermeidest du, wieder zurück in den Wettbewerb jeder gegen jeden mit Zielen, Werten und Parametern zu rutschen, die gar nicht deine sind. Nur auf Basis deiner Werte, deiner Parameter handelst du wirklich eigenverantwortlich, in Einklang mit dir selbst, und kannst auch deine Leistungen und Ergebnisse entsprechend beurteilen.
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Kultiviere ein Growth Mindset. Es unterstützt eine Lebens-, Lern- und Arbeitshaltung, die dich besser forschen, weiterentwickeln und wachsen lässt – persönlich und beruflich. Es bringt dich in deinem Wettbewerb deutlich voran, wenn du Fehler, die passieren, nicht länger als Rückschläge oder Versagen empfindest, sondern sie als Lernhilfen und Ausgangspunkte für neue Perspektiven nimmst.
Es ist auch mit diesen Hilfestellungen oft ganz schön schwierig, sich nicht wieder vom typischen Vergleichen und Konkurrieren mit anderen einfangen zu lassen. Leichter machst du es dir mit deinem eigenen Wettbewerb daher auch in Gemeinschaft von Gleichgesinnten, die sich ebenfalls für ihren eigenen Wettbewerb entschieden haben. Du triffst sie u.a im Rahmen unserer Rakkanteki Community. Abonniere unseren Newsletter, um von unseren regelmäßigen Meetups zu erfahren.
*Hüther, Was wir sind und was wir sein könnten, 2011, S. 80 ff. **s.a. Hüther, S. 80 ff.