Superkräfte aktivieren oder Rückzug ins Schneckenhaus – deine Entscheidung
Übergangsphasen sind Entwicklungsabschnitte, in denen Menschen erkennen, dass bisher gültige Annahmen, Regeln und Routinen ihre Handlungsfähigkeit nicht mehr ausreichend unterstützen. Solche Phasen stellen Grenzbereiche dar, in denen sich eine zentrale Wahlmöglichkeit eröffnet: Reagieren wir eher ängstlich, vermeiden Konfrontation, hoffen auf Zufall oder äußere Rettung – oder nutzen wir die Gelegenheit, Neues zu erforschen, anders zu handeln und Veränderung aktiv zu gestalten?
Die zweite Option erfordert Offenheit und die Bereitschaft, bisherige Gewohnheiten zu hinterfragen. Ähnlich den Prinzipien aus Aikido oder Judo lässt sich damit auch die Dynamik von Veränderungen produktiv nutzen, anstatt sich ihr entgegenzustellen.

Eine Schlüsselressource für diesen aktiven Zugang ist eine in uns allen vorhandene Fähigkeit, ja, Superkraft: Neugier. Sie stellt eine kognitive und emotionale Antriebskraft dar, die eng mit Motivation, Lernfähigkeit und psychischer Anpassungsfähigkeit verknüpft ist. In der frühen Kindheit agieren wir alle fast selbstverständlich als Entdecker:innen, Forscher:innen, Entwickle:innen, Lernende. Wir sind versessen darauf, unser Umfeld zu erforschen, unsere eigenen Fähigkeiten zu erweitern, neue Potenziale zu erkennen und zu entfalten. Wir lassen uns begeistern statt in der Komfortzone hängen zu bleiben. Die natürliche Entdeckerfreude weicht jedoch im Laufe der schulischen und beruflichen Sozialisation häufig einem stark zielgerichteten, ergebnisorientierten Denken. Statt Fragen zu stellen und Unbekanntes aufzuspüren, lernen wir, vorgegebene Antworten möglichst effizient zu reproduzieren.
Je älter wir werden, je mehr wir »wissen, wie der Laden läuft«, uns eingerichtet haben in den »richtigen Antworten«, in unserem Leben und unseren Arbeitsmustern, umso schwerer fällt es uns oft, überhaupt noch Neugierde zu entwickeln und offen für Neues zu sein. Neurobiologisch lässt sich dies durch die Ausbildung stabiler neuronaler Netzwerke erklären: Routinen schaffen Effizienz, reduzieren jedoch zugleich die Offenheit für Neues. Obwohl das Gehirn zeitlebens plastisch bleibt, also strukturelle und funktionelle Anpassungen vornehmen kann, tendieren viele Menschen dazu, vertraute mentale »Datenautobahnen« weiter zu befahren. In Übergangsphasen führt das häufig zum Rückzug, der allerdings den Zugang zu neuen Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten versperrt.
Die gute Nachricht: Egal, in welchem Alter du bist, du kannst deine Neugier reaktivieren und so daran arbeiten, dich in Übergangsphasen aktiver und offener neuem Terrain, neuen Möglichkeiten zuzuwenden. Denn glücklicherweise lässt sich Neugier »trainieren« wie Muskelmasse. Und das ist wichtig, denn deine Neugier ermöglicht dir, Übergänge im Leben als Laboratorium für deine persönliche und berufliche Potenzialentfaltung zu nutzen und deine wahren Interessen und Ambitionen klarer zu erkennen. Im Rahmen von Rakkanteki spielt »Neugier-Training« daher eine zentrale Rolle.
Hier schon mal einige Tipps, wie du deinen Neugierde-Muskel aufbauen kannst:
>> Erkunde Unbekanntes bewusst.
Mein Favorit: Buchhandlungen – großartige Orte, um Neugier zu wecken. Besonders, wenn du bewusst in Abteilungen schaust, die du sonst nicht aufsuchst. Ungewohnte Themenfelder – von Architektur bis Zoologie – stimulieren neue Assoziationen und Perspektiven. Was lockt dich reinzuschauen?
>> Nutze Zufälle als Lernimpulse.
Bitte Freund:innen, dich zu informieren, wenn sie Eintrittskarten übrig haben. So gelangst du in Veranstaltungen, die du dir selbst nicht ausgesucht hättest – Konzerte, Vorträge, Sportevents. Oft entstehen gerade daraus inspirierende Eindrücke, die neugierig auf mehr machen
>> Reduziere digitale Ablenkung.
Verzichte in Wartezeiten, egal wo, auf das Smartphone. Schaue stattdessen ins Umfeld, was deinen Blick fängt, welche Gedanken dir dazu kommen. Stell dir vor, du entwickelst daraus eine Shortstory, ein Video… Christian und viele unserer Arbeitskollegen haben für solche Gelegenheiten immer Stift und Notizbuch dabei, um sich jederzeit an allen Orten Stichwörter oder Skizzen machen zu können. Klar, du kannst die Notizen auch digital erstellen, aber Handschrift und -skizzen bringen dein Gehirn anders auf Trab.
>> Suche Austausch mit Gleichgesinnten.
In der Rakkanteki Community beispielsweise triffst du andere Menschen, die Übergangsphasen als Lern- und Entfaltungsräume begreifen und nutzen. Gemeinsames Lernen und Reflektieren erweitert Perspektiven und belebt den kreativen Denkprozess.
Mehr um deine Neugierde zu aktivieren, findest du in den ESSENTIALS unter Anders Wahrnehmen.