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Memo an dich: Wie du zwei häufige Denkfehler vermeidest

Mai 19, 2026

Stell dir vor, du entwirfst gerade ein Experiment, hast bereits deine grundlegende Arbeitshypothese formuliert, den bedeutenden Zweck definiert und kommst nun zu den entscheidenden Fragen von Machbarkeit und Kontinuität. Damit dein Experiment gelingen kann, musst du sicherstellen, dass deine vorgesehenen Aktionen von dir realistisch ausgeführt werden können. Dafür spielen neben deinen Zeitfenstern und materiellen Ressourcen vor allem deine bisherigen fachlichen und persönlichen Kompetenzen eine zentrale Rolle.

Hier begegnet dir der erste häufige Irrtum – die Overconfidence Bias oder deutsch: Selbstüberschätzung. Dieser kognitive Verzerrungseffekt wurde insbesondere durch Daniel Kahneman in seinem Werk Schnelles Denken, langsames Denken beschrieben. Er tritt auf, wenn wir unsere eigenen Fähigkeiten und unsere Kontrolle über zukünftige Ereignisse überschätzen. Oft geschieht das, weil wir vorschnell von früheren, gut gelaufenen Projekten ausgehen. So passiert es, dass wir glauben, unsere Kompetenz reichen aus, um problemlos auch ein uns völlig neues Vorhaben zu bewältigen.

Im Falle eines Experiments kann das ernsthafte Folgen haben. Wer seine Fähigkeiten überschätzt, unterschätzt zugleich die Anforderungen neuer Aufgaben. Das führt häufig zu Verzögerungen, Frustration und im schlimmsten Fall zum Abbruch des gesamten Experiments. Die Erkenntnis, dass die Umsetzung mehr Wissen, Übung und Geduld erfordert als erwartet, mag ernüchternd sein – ist aber der entscheidende Schritt zu einer realistischeren Vorgehensweise.

Diese Einsicht führt direkt zum zweiten typischen Irrtum: der Planning Fallacy, dem sogenannten Planungsfehler, der ebenfalls gut dokumentiert ist und so gut wie jedem unterläuft. Menschen unterschätzen systematisch den Zeit- und Ressourcenaufwand künftiger Projekte, selbst wenn sie bereits aus früheren Erfahrungen hätten lernen können. Vergangene Schwierigkeiten werden verdrängt, während erfolgreiche Phasen überbetont werden. So entsteht die Illusion, dass man es zügig schaffen kann. Der psychologische Mechanismus dahinter liegt auch in unserem Hang, die Zukunft linear zu denken, obwohl das Leben voller unvorhersehbarer Unterbrechungen und Umwege ist.

Um diesen Irrtum zu vermeiden und zu realistischen Einschätzungen zu kommen, kannst du also, erstens, dir beim Entwerfen deines Experiments sagen, dass du dabei bist, etwas für dich Neues anzugehen, das allein mit deinen bisherigen Erfahrungen und Kompetenzen nicht mal schnell auszuführen ist. Plane die Zeitfenster für dein Experiment daher bewusst großzügiger als du es spontan auf Basis deines Gespürs tun würdest.

Zweitens: Integriere gedanklich in deinen Entwurf, dass dein Experiment auch aufgrund der Komplexität des Alltags meist mehr Zeit und Aufwand brauchen wird, als du jetzt denkst. Leben ist nicht linear – auch wenn wir unbewusst davon ausgehen, die künftigen Tage und Wochen werden ungefähr so laufen wie die letzten: Dinge, mit denen wir nicht gerechnet haben, passieren öfter als gedacht. Kalkuliere Unwägbarkeiten und Pufferzeiten also bereits im Vorfeld mit ein – statt unangenehm überrascht zu werden.

So kannst du dir zudem selbst helfen, Selbstüberschätzung und Planungsirrtum zu vermeiden:

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Lege beim Entwerfen deiner Experimente im Rahmen eines Memo an dich – Stichwort: Planungsirrtum und Selbstüberschätzung – immer auch konkrete Erfahrungen/Daten aus bisherigen Projekten und deinen Lernprozessen zugrunde, die längere Zeit und mehr Aufwand in Anspruch genommen haben, als zu zuvor dachtest. So orientierst du dich bezüglich Machbarkeit und Kontinuität deines Experiments an realistischen Fakten, kannst bessere Einschätzungen und Entscheidungen vornehmen. Im Zweifelsfall: Entwerfe dein Experiment kleiner, überschaubarer, damit du konsequent dranbleiben kannst statt unterwegs aus Frust, Zeit- oder Ressourcenmangel aufzugeben.

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Lass eine befreundete, dir vertraute Person über deinen Experimententwurf schauen und frage sie, ob sie deine Zeit- und Aufwandseinschätzungen für realistisch hält. Achtung: es muss natürlich jemand sein, der dich und deine Fähigkeiten lange genug kennt, um eine gute Einschätzung geben zu können.

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Im Rahmen unserer Rakkanteki Community triffst du andere Experimentierende und Lernende, die wie du unterwegs sind, um ihre Potenziale zu entfalten. Auch mit ihnen kannst du dich in persönlicher Atmosphäre über das Entwerfen von Experimenten und die passenden Einschätzungen zu Machbarkeit, Dauer und Umfang austauschen. Abonniere gerne unseren Newsletter, um über die aktuellen Termine unserer Community-MeetUps und den Start unseres Community Portals auf dem Laufenden zu sein.

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