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Was ist heute dein Fang des Tages?

Mai 19, 2026

Ein Arbeitskollege aus unseren frühen Tagen als Text- und Gestaltungsbüro fragte uns einst nach dem ersten Treffen: Und, was war heute euer Catch of the Day? Ich hielt das damals nur für eine Floskel. Heute sehe ich darin eine wirksame Methode der täglichen Reflexion – und stelle sie dir in neuer Form:

Hast du dich heute schon selbst gefragt: »Was ist mein Catch of the Day?« 
Wenn nein, dann denke daran, es zu tun.

In einem veränderlichen Umfeld mit immer neuem Terrain entstehen unentwegt Möglichkeiten für dich, deinen persönlichen Potenzialen, insbesondere beim Experimentieren, mehr auf die Spur zu kommen. Entscheidend dafür ist deine Wahrnehmung. Nur was du wirklich wahrnimmst, existiert für dich als Grundlage neuer Perspektiven, Ideen, Entscheidungen und deiner Weiterentwicklung insgesamt.

Einen Catch oft the Day gibt es immer

Du musst ihn nur entdecken: Ob in Form von Ergebnissen (z.B. Feedback zu einem durchgeführten Experimentdurchlauf), in Form von Erlebnissen (wie ist es dir während deines Experimentierprozesses ergangen? Was hat dich gefordert, überrascht, neugierig gemacht?) oder in Form von Ereignissen (Was geht in deinem Umfeld vor sich, das dir Impulse für die nächsten Lernschleifen/Loops liefert?)

Notwendiger Rohstoff für deine Lern- und Entwicklungsprozesse

Die Fähigkeit, die äußere und deine innere Welt zu erkunden, ist Teil deines evolutionären Erbes. Für unsere Vorfahren vor tausenden Generationen war sie überlebensnotwendig – sie mussten umherwandern, Landschaften lesen, Muster erkennen und Veränderungen deuten – gerade auch um genügend Nahrung zu finden. Heute sichert dir das tägliche Sammeln und Wahrnehmen von Informationen aus deinem Umfeld das notwendige »Futter« für deine Experimentier- und Entwicklungsprozesse. Zu wenig Futter, zu wenige neue Informationen, die du in fruchtbare Verbindung mit deinem bisherigen Experimentieren bringen kannst. Das führt zu schmalen Gestaltungs- und Entscheidungsräumen, dein Weg der beruflichen und persönlichen Potenzialentfaltung wird eng. Kontinuierlich deinen Catch of the Day zu machen, unterstützt dagegen deine Zukunftsfähigkeit und hilft dir zu entdecken, womit gerade du einen Unterschied machen kannst.

Du hast die Grundlagen… 

Menschen verfügen über ein hochkomplexes Zusammenspiel von Bewusstsein und Unbewusstem. Der Umfang des bewussten Informationshandlings ist dabei verglichen mit dem unbewusst ablaufenden Anteil verschwindend gering: Während wir durchschnittlich 40 Informationseinheiten pro Sekunde bewusst aufnehmen und verarbeiten können, sind es unbewusst ca. 11,2 Mio/s. Die stark begrenzte Kapazität der bewussten Kognition geht mit schrittweise, strukturiert ablaufenden Prozessen einher, die sich vorwiegend auf einige zentrale Fakten beschränken. Unbewusste Denkprozesse dagegen beziehen eine Vielzahl von Informationen mit ein, arbeiten assoziativer, stellen mehr Querverbindungen her und können so insbesondere in komplexen Ausgangssituationen zu originelleren, kreativeren Ergebnissen führen. Allerdings benötigen sie dazu einige Zeit.*

…um sie auch zu nutzen:

Das komplexe Zusammenspiel von bewussten und unbewussten Wahrnehmungs-/Verarbeitungsprozessen lässt sich sehr gut für deinen Catch of the Day einsetzen. Folgendermaßen gehst du vor:

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Du formulierst dir bewusst deine Aufgabe: »Ich mache heute, wie jeden Tag, meinen »Catch of the Day« und sammle bewusst Informationen, um daraus Interessantes für meinen Experimentier- und Entwicklungsprozess zu filtern und zu entscheiden, was davon heute konkret mein »Fang des Tages« ist.

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Du bewegst dich über den Tag möglichst bewusst wahrnehmend durch dein Umfeld und sammelst Informationen. Wichtig ist, dabei nicht zu schnell, oberflächlich und zerstreut zu agieren, denn dann besteht die Gefahr, zu wenig Konkretes wahrzunehmen oder dich schlicht in Fluten von Informationen zu verlieren. Vielmehr geht es darum, offen und aufmerksam zu agieren und dein Umfeld auf dich wirken zu lassen. Bedenke: Wenn du experimentierst, gibt es kein vordefiniertes lineares Ziel, das du zwingend erreichen musst und wofür du Informationen sammelst. Du musst und solltest daher gerade nicht mit zielfixierten Scheuklappen durch die Welt gehen, denn das schränkt deine Wahrnehmung unnötig ein. Mit Offenheit wirst du deutlich mehr Interessantes wahrnehmen können, das sich häufig auf unverhoffte Weise mit deinem Weg verbinden lässt.

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Es reicht nicht aus, Informationen nur zu lesen und Fakten am Schreibtisch zu studieren, um deine Fähigkeiten der bewussten und unbewussten Wahrnehmung auszuschöpfen. Wenn du nicht selbst an einem Ort bist, umherwanderst (wie einst unsere Vorfahren) und mit deinen Mitmenschen in Kontakt trittst, weißt du nicht, wie es dort ist – weil du vor allem unbewusst nicht die Mengen von Informationen sammelst, wie es dir anwesend möglich wäre. Also: Steh auf, geh raus – ohne ständigen Blick auf dein Smartphone.

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Nach deinem Sammelprozess: Triff keine vorschnelle Entscheidung, welche Informationen heute dein Catch of the Day sind, sondern lass dir etwas Zeit (wir empfehlen mindestens 1 Stunde, du kannst natürlich auch eine Nacht darüber schlafen), die Vielzahl der gesammelten äußeren und inneren Impulse auf dich wirken zu lassen und setzte ein, was wissenschaftlich »Deliberation without Attention« genannt wird: Du nutzt absichtlich unbewusstes Denken zur Bewertung deiner gesammelten Daten, während du dein bewusstes Denken gezielt mit einer anderen, nicht zu komplexen Aufgabenstellung beschäftigst (beispielsweise Emails beantworten, Rechnungen erstellen etc.). Auf diese Weise gibst du deinem unbewussten Denken Zeit, zu assoziieren, Querverbindungen und Ergebnisse zu erzeugen, die schwerlich allein mit zügigem, bewussten Nachdenken und Entscheiden entstehen.

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Nach deinem Deliberation without Attention-Prozess machst du dann wieder bewusst weiter: Was war nun das Interessanteste an deinem Tag, das du gesammelt und mit dir und deinem Experimentieren in Verbindung bringen konntest, was war dein Catch of the Day? Wie lässt er sich in dein weiteres Vorgehen integrieren? Diese Entscheidungen solltest du zügig treffen, nicht »zerdenken«. Auch ist es wichtig, mögliche Verbindungen/Einbindungen deines Tagesfangs so schnell es geht zu nutzen und in die Tat umzusetzen. Nur dann kannst du von ihnen für dein Lernen und Entwickeln wirklich profitieren.

Zusätzliche Tipps für deinen Catch of the Day:

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Nimm dir ausreichend Zeit. Dein Catch of the Day ist kein kreativer Luxus, sondern ein unerlässlicher Teil deiner beruflichen und persönlichen Potenzialentfaltung, deines Learn and Adapt – deiner essentiellen Arbeit, mit der nur du einen echten Unterschied machen kannst.

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Erwarte nicht täglich einen Catch of the Day, der dich umwirft. Auch kleine Dinge können später einen großen Unterschied machen. Was zählt ist, dass du kontinuierlich dranbleibst. Praktisch ist auch, gesammelte Informationen kurz schriftlich festzuhalten  – analog oder digital. So geht dir nichts verloren.

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Falls du Informationen gesammelt hast, die zwar nicht zu deinem Catch of the Day wurden, aber dir trotzdem interessant erscheinen: Prüfe, ob sie in anderweitiger Verbindung zu dir und deinem Entwickeln stehen. Vielleicht zu einem anderen, früheren Experiment oder einem nächsten Vorhaben, über das du nachdenkst. Falls ja, fertige aus den Informationen klar formulierte Notizen, die du in eine »Catch of the Day Sammlung« übertragen und dort mit passenden, schon vorhandenen Notizen verbinden kannst. Hilfreich sind dafür Notizen-Apps, die es reichlich gibt. Wir nutzen Obsidian. Mit der Zeit kann so aus deinen vernetzten Catches of the Day ein idealer Nährboden für deine nächsten Experimente entstehen.

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Informationen, die dir zunächst interessant erschienen, aber dann für dich doch keine weitere Verbindung/Bedeutung haben: aussortieren. (Kunden von uns legen diese Informationen zunächst in ein Archiv und sortieren sie aus, wenn sie sich auch innerhalb des nächsten Quartals nicht als nützlich erweisen.)

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Besondere Catches of the Day kannst du auch machen, wenn du selbst zum Catch of the Day wirst. Wie das geht? Just keep the garage door open

*Ap Dijksterhuis und Loran F. Nordgren, »A theory of Unconscious Thought«, Perspectives on Psychological Science 1, Nr. 2, S. 95 ff.

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